LSN-Liberalsoziale Nachrichten für einen Dritten WEG zum Kapitalismus und zum Ex-Sozialismus/Staatskapitalismus, Dez./06

Herausgeber: Bürgerinitiative A3W-Alternative Dritter Weg und Liberalsoziale in Bündnis 90/Die Grünen

INVESTIVLOHN im Kapitalismus – EIGENTUM nur aus eigener Arbeit?

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, sehr geehrter Herr Vizekanzler,

sehr geehrte Regierungsmitglieder!

Die Regierungsparteien setzen sich für einen Investivlohn ein. Sicher ist das ein Schritt zu mehr sozialer Gerechtigkeit – wenn auch ein sehr kleiner. Der Gerechtigkeit haben sich ja beide Parteien verschrieben, die christliche Partei und die soziale Partei. Die Ungerechtigkeit des herrschenden Wirtschaftssystems, des Kapitalismus, wird durch Investivlohn nicht aufgehoben, sondern allenfalls etwas gemildert.

85% der BürgerInnen tragen die Gesamtlast dieses Systems aus ihrem, um diese Last gekürzten Arbeitsertrag, bzw. als Rentner, Sozialhilfeempfänger, Arbeitslose aus ihren in Richtung Existenzminimum gekürzten Staats- und Sozial-Transfers. 15% der Bürger sind Nutznießer des Kapitalismus. Dort sammeln sich alle Lohnabschläge der Arbeitenden, alle Zinsen der Endpreise, die die Unternehmen an das Kapital abführen, die sie über Preise zurückholen, sofern die Kaputtmachekonkur-renz dies zulässt. Im letzten Jahrzehnt wurden jedes Jahr ca. 40.000 Selbständige, meist kleine und mittlere Unternehmen in diesem Wirtschaftskrieg ums Überleben, vernichtet - mit je 7-10 Arbeitsplätzen. Bei den Reichen sammeln sich auch die Zinsen der Staats-schulden. Ihre Vaterlandsiebe reicht nicht, dem Staat aus ihrem Überreichtum zinslos zu leihen – Vergütung in Höhe der Inflation, die die Bundesbank in den letzten 10 Jahren auf Kosten steigender Arbeitslosigkeit bei 1-2% niedrig hielt, wäre zu verstehen. Lt. rot-grünem Koalitionsvertrag betrug 1998 der Schuldendienst 98 Mrd DM = 26% des Haushalts. Um den Überfluss der Superreichen durch diese Subvention des Steuerzahlers zu steigern, müssen Sozial-, Gesundheits- u. Umweltausgaben gekürzt werden – jedes Jahr.

Die jährliche Umverteilung von arm zu reich durch den Zinseszins, zeigt die Graphik von H. Creutz aus dem Wirtschaftsbestseller „Das Geldsyndrom – krisenfreie Marktwirtschaft ohne Kapitalismus“. Lt. Bundesbank betrugen 1997 alle Vermögen: Geld-, Sach-, Bodenkapital 16 Bill. DM. Zieht man das unverschuldete Privatvermögen (Häuslebauer nach Tilgung der Kredite) ab, so blieb ein zu verzinsendes, verschuldetes Sachvermögen, meist der Unternehmen, von 8,5 Bill. DM und ein schuldenfreies, jedoch zu verzinsendes Eigenkapital von 5 Bill. DM. Setzt man für das zu verzinsende Vermögen von 13,5 Bill, einen Zins von 7% an, so ergab sich nach Abzug der Bankmarge ein Nettozins der drei Kapitalarten von 800 Mrd. DM = 400 Mrd. Euro. Infolge allgemeiner Reichtumssteigerung dürften das heute ca. 500 Mrd. Euro sein. Wem 7% zu hoch erscheint, kommt bei 6% zum Nettozins von 665 Mrd,, bei 5% auf 530 Mrd. und zwar als Einkommen ohne eigene Arbeit, sondern aus der Arbeit der Verschuldeten, der Steuerzahler u. in der Wirtschaft der Arbeitnehmer und bankrotten Unternehmen.

I: Im Zins, den 15% der Bürger als Einkommen aus der Arbeit anderer kassieren, stecken 1-2 Bundes-haushalte jedes Jahr. Die unter dem Zwang leerer Kassen nach unten gestauchten Staatsausgaben, so dass wichtige gesellschaftliche Vorhaben liegen bleiben - könnten spielend und im vollen erforderlichen Umfang ohne Schulden und ohne Steuern aus dem Zinsaufkommen finanziert werden.

II. Diese Dimensionen machen deutlich, dass es sich beim Investivlohn im Kapitalismus nur um ein „soziales“ Alibi des Systems handelt. Es dient zur Verschleierung der kapitalistischen Ausbeutung. Den Arbeitenden wird ihr Recht auf den vollen, nicht durch Zins gekürzten Arbeitsertrag, uraltes Ziel der Sozialdemokratie, vorenthalten. Ihnen wird, wie auch den Kleinsparern mit dem Sparkassenzins, Sand in die Augen gestreut, um die real bestehende Geldherrschaft, zu verdecken.

Nicht einmal im Jahr der großen Flut verzichteten Reiche und Superreiche auf die Kapitalvermehrung durch Zins und Zinseszins. Ein Jahreszinsverzicht – würde ihren Reichtum nicht schmälern. Nur ihre Riesenvermögen würden ein Jahr lang nicht „wachsen“. Aber eine solche Haltung der Kapitalisten ist weder in Normalzeiten, noch in Notzeiten zu erwarten. Zwar wird auch aus diesem Lager gespendet und es gibt immer wieder Millionäre, die große Teile ihrer zusammengerafften Vermögen in soziale Stiftungen geben. Insgesamt wird dieses System um jeden Preis, auch um den Preis von Krisen und Kriegen verteidigt. Der vor fast 30 Jahren von der RAF ermordete Arbeitgeberpräsident
Dr. Martin Schleyer drückte das Gesetz des Kapitalismus in einem Satz sehr dezent aus: Geldkapital muss angemessen bedient werden, sonst stellt es sich der Wirtschaft nicht zur Verfügung!

Sehr geehrte Regierungsmitglieder!
Die Bürgerinitiative A3W und die Liberalsozialen der GRÜNEN werben um Ihr Verständnis, die Herrschaft des Finanzkapitals, die Ausbeutung der Arbeitenden notfalls durch Krisen und Massenarbeitslosigkeit per Investitionsstopp zu erzwingen, als absoluten Fremdkörper in einer Demokratie zu verstehen und alles zu tun, die Souveränität des Volkes gegen die GELDMACHT durchzusetzen.

Die hohe Produktivität der Arbeit senkt über ein „Kapital-Überangebot“ den Zins auf die Untergrenze der Rentabilität von 4 – 2%, die Krisen- oder Kriegsgrenze, die uns in der Dauerkrise festhält: Statt in Investitionen geht Kapital in Massen in die Spekulation. Rüstung begrenzt zwar die Arbeitslosigkeit und hält uns wie die Rohstoffjagd ständig im Kriegszustand: Gestern Bosnien, Kosovo, Afghanistan (Zugang zum Öl Mittelasiens), Irak, heute Libanon, morgen Iran, übermorgen ... ??? Die Rüstungslobby und noch mehr die Zinslobby werden schon vorsorgen, dass der Zins von der Arbeitswut der Menschen nicht in einem Meer von (Friedens) - Kapital ersäuft wird! (Nach SPD- Politiker Naphtali in „Wirtschaftsdemokratie“ (20er Jahre), später Wirtschaftsminister in Israel)

INVESTIVLOHN hat mit dem Kapitalsystem insgesamt viel zu tun. Deshalb sind die Hinweise auf das Gesamtsystem nötig. Er kann als Arbeitereigentum an den Kapitalgütern mehr werden als im Kapital-System als Beruhigungs-pille. Die Produktionsmittel werden durch Arbeit geschaffen. GELDKAPITAL ist dafür nötiges Hilfsmittel, mehr nicht, denn es arbeitet ja nicht und die Eigner dieses Hilfsmittels, oft Aktionäre, arbeiten auch nicht. Sie ziehen ihr Einkommen nicht aus eigener Arbeit, sondern über die Verzinsung ihres Kapitals aus der Arbeit der Beschäftigten. Nach allen ethischen Grundsätzen gibt es keine Rechtfertigung für einen Kapitaleinsatz mehr zu verlangen als die Rückerstattung des geliehenen Wertes, ohne Inflationsverluste. Das sahen Aristoteles, der Heilige Thomas von Aquin und teilweise Luther so. Die großen Weltreligionen lehnten den Zins ab.

Um zum Arbeitereigentum an den durch Arbeit geschaffenen Kapitalwerten zu kommen, ist der Abbau des Zinssystems nötig. Wir ermutigen die Bundesregierung einen INVESTIVLOHN mit dem Abbau des Zinssystems zu koppeln. ei jedem Zinsprozent weniger steigen die Arbeitslöhne in Richtung “voller Arbeitsertrag“ um ca. 13%. Steigen Großvermögen nicht mehr durch Zinseszins, so schmelzen sie schnell ab, oder diese Leute müssen von einer Arbeit leben. Umgekehrt sind die Arbeitenden, auch selbständig Arbeitende, die bei Zinsfuß null nur noch vom Arbeitsertrag (Unternehmerlohn) – aber nicht mehr von einem Kapitalzins leben können) bei vollem Arbeitsertrag in der Lage, wesentlich mehr zu sparen und damit Eigentum an Produktionsmitteln zu erwerben. Und dabei mitzuhelfen, kann schon jetzt eine Aufgabe der Bundesregierung werden.

Wie aber kann der Zinsabbau bewirkt werden? Der Zins ist ein Knappheitspreis. Wer Zins kassiert, ist an Kapitalknappheit interessiert, um hohe Zinsen durchzusetzen. Das Kapital hat einen Feind. Die Arbeit der Menschen, die das Kapital stark vermehren könnten, dass der Zins gegen null sinkt. Die Geld(un)ordnung erlaubt den Kapitalisten Geld dann der Wirtschaft durch Hortung/Spekulation zu entziehen, wenn nach guter Konjunktur ein Kapitalüberangebot den Zins auf die Grenze von 4-2% senkt. Dann rentieren Investitionen nicht mehr. Der Zins würde in Richtung null sinken und die Kapitalisten würden sich den Zinsast absägen. In der nun durch Geldhortung ausgelösten Krise wird „Überschusskapital“ durch Betriebspleiten vernichtet und nach einiger Krisenzeit steigt der Zins durch erneute Kapitalknappheit wieder an: Die Konjunktur kann erneut beginnen.-- Bis zur nächsten Krise!.

Dieser Ablauf ist kein Gottesurteil, sondern ist zu ändern! Und genau da müssten Bundesregierung und Bundestag eingreifen und die Ziele der Bundesbank-EZB-Politik mindestens auf ein Viereck von Preisstabilität, Vollbeschäftigung. Soziale Gerechtigkeit (voller Arbeitsertrag), Außenhandelsgleichgewicht ausweiten. Natürlich ist das ein magisches Viereck solange die heutige Geld(un)ordnung besteht, in der jede/r den Geldkreislauf in der Höhe eines Sparvolumens unterbrechen kann, indem nicht existentieller Konsum und Investitionen verschoben und dadurch Arbeitslosigkeit ausgelöst wird. Die Magie ist aufzuheben, wenn im Bundesbankgesetz der Annahmezwang des gesetzlichen Zahlungsmittels, heute des EURO, ergänzt wird durch seinen Weitergabezwang, der erst einen geschlossenen Geldkreislauf und damit eine störungsfreie, soziale Marktwirtschaft sichert.

Dazu braucht man nicht das Wörgler Klebegeld, das in der Weltwirtschaftskrise die Arbeitslosigkeit um 25% senkte. Auch nicht das 2malige Geldwechseln pro Jahr, das der Erzbischof Wichmann von Magdeburg 1152 einführte, Basis der 300-jährigen Wirtschafts- und Kulturblüte von Hanse und Gotik. Indem der „gerissene“ Erzbischof gleich die Steuern von 25% des Nennwerts der Münzen kassierte, schuf er nicht nur den konjunktursichernden „Weitergabezwang“, sondern sparte noch Kosten des Steuerereinzugs. Der Finanzminister sollte das prüfen, in der Form des modernisierten „einfachen und gerechten Steuersystems“, das im Entwurf von Helmut Creutz (wieder) beiliegt. Für das Bargeld schlug einer der 13 Notenbanker der Wallstreet, Marvin Goodfriend, Gouverneur der FED von Richmond, der Federal Reserve Bank, die Bundesbank der USA, vor, Ausgabedaten und Satz der Umlaufgebühr in die Geldscheine zu programmieren, dass an jeder Ladenkasse die Gebühr eingezogen werden kann. Die Studie Goodfriends „Politik zur Überwindung der Nullgrenzen bei Zinsraten“ legen wir bei. Goodfriend wies auf Silvio Gesell hin, einer der ersten, der Geld mit Durchhaltekosten forderte, das aus der Liquiditätsfalle führen kann. Für große Stückelungen kann es zusätzlich schockhafte Auswechslungen geben, auch um kriminelle Geschäfte mit Drogen, Waffen und Frauen zu erschweren. Täglich fälliges Buchgeld/Termingeld ist durch automatische Abbuchungen der Umlaufgebühren in langfristige Kapitalanlagen zu treiben. Geldtechnisch Näheres H. Creutz „Geldsyndrom“, € 19,-, Steuersystem € 2,50, der Text Goodfriends € 1,50, Bezugsadresse unten)

Die politische Entscheidung ist fällig, die Geldpolitik nicht weiter den Zins-Interessenten zu überlassen, sondern den Vorrang der Politik über das Kapital herzustellen. Umlaufgeld schwitzt den Zins aus der Wirtschaft heraus, überführt ihn in den Arbeitsertrag. Eine neue – auf eigener Arbeit beruhende Einkommens- und Vermögensordnung entmachtet das Geldkapital, das sich nicht gegen einen LASTENAUSGLEICH mit Geldstreik wehren kann, der nötig ist, um in 50 Jahren Nachkriegskapitalismus verursachte Sozial-, Kultur-, Bildungs- und Umweltschäden zu sanieren, denn 5%, bei Bedarf 10% Umlaufgebühr pro Jahr, können sich auch Großvermögen nicht leisten. Der Lastenausgleich kann teilweise durch Übertragung von Eigentumsrechten am Betriebskapital an die Belegschaft erfolgen. Jetzt wird der Weg frei zu Betriebskapital in der Hand derer, die es durch Arbeit geschaffen haben! Der ganze Arbeitsertrag den Arbeitenden – nichts dem Kapital!

Infos, Literatur, Zeitung ALTERNATIVEN: Liberalsoziales Büro, 31079 Eberholzen – Mail: alternative-dritter-weg@t-online.de